Ubiquinol versus Ubiquinon:

Ein wissenschaftlicher Vergleich

Ein wissenschaftlicher Vergleich

Coenzym Q10 (CoQ10) zählt zu den meistverkauften mitochondrialen Nahrungsergänzungsmitteln weltweit – mit einem globalen Marktvolumen von über 700 Millionen Euro und stetigem Wachstum, getrieben durch eine alternde Gesellschaft und ein zunehmendes Bewusstsein für die Bedeutung der Mitochondrien für unsere Gesundheit. Es spielt eine zentrale Rolle in der mitochondrialen Energieproduktion und dient als fettlösliches Antioxidans. Doch wer CoQ10 kauft, schaut oft nicht zweimal auf die Verpackung, dabei entscheidet genau diese eine Information darüber, wie viel vom Wirkstoff tatsächlich im Körper ankommt: Steht dort Ubiquinon oder Ubiquinol? Beide Bezeichnungen beschreiben dasselbe Molekül – in unterschiedlichen Zuständen. Und dieser Unterschied hat für die Supplementierung mehr Bedeutung, als vielen Verbrauchern bewusst ist. Dieser Beitrag beleuchtet die wissenschaftliche Datenlage zu beiden Formen, erklärt die Notwendigkeit enzymatischer Cofaktoren und gibt eine Orientierung für die Wahl der richtigen Darreichungsform.

1. Die zwei Gesichter des Coenzyms Q10: oxidiert und reduziert

Coenzym Q10 kommt im menschlichen Körper in zwei ineinander überführbaren Formen vor. Ubiquinon ist die vollständig oxidierte Form und stellt die Version dar, die der Körper selbst in der Mitochondrienmembran synthetisiert. Damit CoQ10 seine Funktion als Elektronenträger in der Atmungskette erfüllen kann, muss es jedoch Elektronen aufnehmen können. Dies geschieht durch die Reduktion zu Ubiquinol. In dieser reduzierten Form kann es wirksam freie Radikale neutralisieren und als Antioxidans agieren. Mehrere Studien deuten darauf hin, dass Ubiquinol eine höhere orale Bioverfügbarkeit aufweisen könnte als Ubiquinon.


Bei gesunden, jüngeren Erwachsenen befinden sich etwa 90–95 % des gesamten CoQ10 im Blut in der reduzierten Form (Ubiquinol). Der Körper besitzt ein ausgeklügeltes Enzymsystem, das beide Formen je nach Bedarf ineinander umwandeln kann. Diese natürliche Homöostase ist der zentrale Ausgangspunkt für die Diskussion um die richtige Supplementierungsstrategie, denn beide Formen haben ihre Berechtigung.


Die entscheidende Frage für Verbraucher ist, welche Form vom Körper besser aufgenommen wird, und im Blut ankommt – also bioverfügbarer ist. Die Studienlage liefert hier ein differenziertes Bild.

2. Resorption und Bioverfügbarkeit: Was sagt die Wissenschaft?

Eine In-vitro-Studie aus dem Jahr 2014[i] untersuchte dies mit einem simulierten Verdauungsmodell und Caco-2-Darmzellen. Die Ergebnisse zeigten, dass Ubiquinol während der Verdauung effizienter in gemischte Mizellen eingebaut wird als Ubiquinon. Mizellen sind die Transportvehikel, über die Fette und fettlösliche Substanzen von den Darmzellen aufgenommen werden. Zudem fanden die Forscher heraus, dass die Aufnahme von Ubiquinol in die Zellen und die anschließende Abgabe auf der basolateralen Seite (d.h. in Richtung Blutbahn) von Glutathion (GSH) abhängig und bei Ubiquinol ausgeprägter war.

Erste Hinweise aus Tiermodellen deuten darauf hin, dass beide Formen im Dünndarm weitgehend stabil bleiben – was durch Humanstudien noch zu bestätigen ist. Das bedeutet, dass Ubiquinol im Verdauungstrakt nicht signifikant zu Ubiquinon oxidiert und umgekehrt Ubiquinol nicht reduziert wird. Dies deutet darauf hin, dass beide Formen prinzipiell absorbiert werden können, ohne dass eine vorgängige Umwandlung im Darmlumen zwingend erforderlich ist. Eine Humanstudie. 2018 publiziert in Food & Function (RSC Publishing) mit 10 älteren Männern (>55 Jahre) mit 200 mg/Tag über 2 Wochen ergab: Ubiquinol erhöhte den Plasma-CoQ10-Spiegel signifikant stärker als Ubiquinon.

Eine umfassende Übersichtsarbeit von Mantle et al. (2020) betont zudem, dass die anfängliche Formulierung des Präparats – also ob es sich um kristallines Pulver oder eine ölige Lösung oder Dispersion handelt – einen erheblich größeren Einfluss auf die Bioverfügbarkeit hat als die Frage nach Ubiquinol oder Ubiquinon. Eine schlechte Kristalldispersion könne die Bioverfügbarkeit um bis zu 75 % reduzieren. Das bedeutet: Pulver, beziehungsweise Pulverkapseln werden also deutlich weniger effektiv vom Körper aufgenommen.

[i] Failla, M. L., et al. (2014).
Increased bioavailability of ubiquinol compared to that of ubiquinone is due to more efficient micellarization during digestion and greater GSH-dependent uptake and basolateral secretion by Caco-2 cells. Journal of Agricultural and Food Chemistry, 62(29), 7174-7182. DOI: 10.1021/jf5017829

3. Enzymatische Umwandlung: Braucht der Körper Cofaktoren?

Aus wissenschaftlicher Sicht stellt sich die Frage, wie effizient der alternde Organismus Ubiquinon enzymatisch in Ubiquinol überführen kann. Untersuchungen an humanem Lebergewebe zeigen eine altersassoziierte Abnahme der NQO1-Proteinexpression (Bhat et al., 2016). Parallel dazu verschiebt sich mit dem Alter das NAD+/NADH-Verhältnis zugunsten von NADH – was die Cofaktorverfügbarkeit für diese Reduktasen einschränkt. Der Zusammenhang ist biologisch gut begründet, wenn auch klinisch noch nicht abschließend quantifiziert. Dies legt nahe, dass ältere Menschen von der direkten Supplementierung mit Ubiquinol stärker profitieren könnten als von Ubiquinon. Eine Studie von Langsjoen et al. aus 2014 zeigt, dass Ubiquinol etwas besser aufgenommen wird. Tatsächlich ist die Umwandlung von Ubiquinon zu Ubiquinol ein enzymatischer Prozess. Die Reduktion wird durch NADPH-abhängige Enzyme wie NADPH-Ubiquinon-Oxidoreduktase (NQO1) und andere zelluläre Reduktasen katalysiert.


Diese Enzyme sind in der Leber und in den Darmzellen vorhanden. Bei gesunden Menschen funktioniert diese Umwandlung effizient. Die Frage ist, ab wann diese Kapazität erschöpft ist. Die Forschung zu primären CoQ10-Mangelzuständen zeigt, dass schwere genetische Defekte in den Enzymen der Biosynthese (wie COQ2 oder PDSS2) zu einem klinischen Bild führen, das durch hochdosierte Supplementierung behandelt werden muss. Für den gesunden Durchschnittsverbraucher gibt es jedoch keine eindeutigen Belege, dass die Umwandlungskapazität limitierend ist. Die Theorie, dass ältere Menschen grundsätzlich Ubiquinol benötigen, weil ihre Umwandlung gestört ist, ist wissenschaftlich zwar nicht abschließend belegt, dennoch ist davon auszugehen, dass die Fähigkeit zur Umwandlung mit zunehmendem Alter langsam abnimmt.

Die Resorption verschiedener Q10 Produkte
Die Resorption verschiedener Q10 Produkte

4. Darreichungsformen: Der Schlüssel zur Bioverfügbarkeit

Unabhängig von der chemischen Form ist die Galenik (die Darreichungsform) der entscheidende Faktor für die Aufnahme. Da CoQ10 lipophil (fettliebend) ist, sind ölige Lösungen in Weichgelatinekapseln (Softgels) den trockenen Pulvern in Tabletten oder Hartkapseln deutlich überlegen. Noch besser sind flüssige Formen, in denen das Ubiquinol in ultrakleinen Tropfen vorliegt, wie eine spanische Studie von Guillermo López-Lluch et al. aus 2018 zeigte.


Folgende Darreichungsformen haben sich als effektiv erwiesen:
• Ölbasierte Softgels: CoQ10 wird in Ölen (z.B. Soja-, Oliven- oder Mittelkettige Triglyceride) gelöst. Dies ist die gebräuchlichste und wissenschaftlich am besten untersuchte Form.
• Nanostrukturierte flüssige Formulierungen: Diese Technologien (z.B. nano-emulgiert oder Mizellisierung) zerkleinern die Partikel des CoQ10, um die Oberfläche für die Aufnahme zu vergrößern. Sie können die Bioverfügbarkeit deutlich steigern, sind aber teurer.
• Trockene Pulver in Tabletten/Kapseln: Hier liegt CoQ10 kristallin vor. Diese Form zeigt die mit Abstand schlechteste Resorption.


Den aktuellen Stand der Technik bilden nano-wasserbasierte Formulierungen: Durch die Zerkleinerung von CoQ10-Partikeln auf den Nanometerbereich entfällt die Abhängigkeit von gleichzeitig aufgenommenem Nahrungsfett vollständig. Das Ubiquinol kann bereits über die Mundschleimhaut resorbiert werden, was die Aufnahme weiter beschleunigt, und eine mahlzeitenunabhängige Einnahme ermöglicht. Interne Vergleichsdaten zeigen eine bis zu 8-fach höhere Bioverfügbarkeit gegenüber konventionellen Pulverformulierungen.

5. Praktische Empfehlungen für die Wahl des Präparats

Die Entscheidung für Ubiquinol oder Ubiquinon sollte individuell getroffen werden: Für gesunde Erwachsene: Hochwertiges Ubiquinon ist eine wissenschaftlich fundierte und kosteneffiziente Wahl. Studien zeigen, dass damit vergleichbare Blutspiegel erreicht werden können wie mit teureren Formen.

Für ältere Menschen oder Personen mit Resorptionsstörungen: Ubiquinol könnte hier Vorteile bieten, da es bereits in der aktiven Form vorliegt und die Verzögerung durch die enzymatische Umwandlung umgangen wird. Einige Studien deuten auf höhere Plasmaspiegel bei Einnahme von Ubiquinol hin. Liegt es in flüssiger Form vor, wird die Resorption nochmals weiter gesteigert.

Qualitätsaspekte: Achten Sie auf Hersteller, die ihre Produkte durch Dritte testen lassen und nach GMP-Richtlinien (Good Manufacturing Practice) produzieren. Die tägliche Dosierung liegt meist zwischen 100 und 200 mg. Höhere Dosen können in Ausnahmefällen sinnvoll sein, sollten jedoch mit einem Arzt abgesprochen werden. Wechselwirkungen: CoQ10 kann die Wirkung von Blutverdünnern (z.B. Warfarin) beeinflussen. Bei Einnahme solcher Medikamente ist vor der Supplementierung zwingend ein Arzt zu konsultieren. Bei manchen Medikamenten kann die Einnahme von CoQ10 die Wirkung der Arznei verstärkt werden, weshalb unter Umständen die Dosierung verringert werden könnte. Dr. Kuklinski, damals Leiter der Inneren Medizin am Klinikum Rostock, hatte beobachtet, dass Patienten mit Niereninsuffizienz bei längerfristiger Gabe von Ubiquinol schrittweise auf die Einnahme von Diuretika verzichten konnten. Ein Effekt, den er auf eine gesteigerte Leistungsfähigkeit der Nieren durch das Q10 selbst zurückführt.

Allgemeine Orientierungswerte:
• Erhaltungsdosis (gesunde Erwachsene): 100–200 mg/Tag
• Therapeutische Dosierung (z. B. bei Herzinsuffizienz, Statintherapie): 300–600 mg/Tag
• Bei nano-formuliertem CoQ10: Aufgrund der höheren Bioverfügbarkeit können niedrigere Mengen ausreichen; hier ist eine Rücksprache mit einem Therapeuten empfohlen

Die Geschichte hinter der Dosierung – Dr. Enzmann und Stanford:

Was ist die richtige Dosis? Diese Frage stellte sich auch Dr. rer. nat. Enzmann bereits im Jahr 1967, als er an der Stanford University Dosierungsdaten zu CoQ10 systematisch untersuchte. In einem Tiermodell mit Mäusen, die an Muskeldystrophie Duchenne litten, zeigte sich: Erst ab einer Dosis von 10 mg pro Kilogramm Körpergewicht trat ein therapeutisch wirksamer Effekt auf: die Tiere konnten wieder normal funktionieren. Diese Beobachtung war richtungsweisend. Sie legte den Grundstein für Dr. Enzmanns späteres Lebenswerk als Pionier der mitochondrialen Medizin und motivierte die Entwicklung hochdosierter, bioverfügbarer Formulierungen, darunter das erste nano-flüssige Ubiquinol, das er auf den Markt brachte. Interne Vergleichsmessungen zeigen, dass die wasserbasierte Nano-Formulierung von QuinoMit® Q10 fluid eine bis zu 8-fach höhere Bioverfügbarkeit gegenüber konventionellen CoQ10-Pulverkapseln aufweist. Dieser Unterschied ist auf die drastische Partikelgrößenreduktion und die mucosale Absorptionsmöglichkeit zurückzuführen.

Fazit: Sowohl Ubiquinol als auch Ubiquinon können den CoQ10-Spiegel im Körper erhöhen. Die Bioverfügbarkeit wird primär durch eine intelligente Darreichungsform beispielsweise durch ultrakleine Partikel bestimmt. Die Wahl der chemischen Form ist so lange zweitrangig, wie die enzymatische Umwandlung im Körper intakt ist. Im Zweifel ist man mit Ubiquinol auf der sicheren Seite.

Quellen:

Failla, M. L., et al. (2014). Increased bioavailability of ubiquinol compared to that of ubiquinone is due to more efficient micellarization during digestion and greater GSH-dependent uptake and basolateral secretion by Caco-2 cells. Journal of Agricultural and Food Chemistry, 62(29), 7174-7182. DOI: 10.1021/jf5017829
Kubo, H., et al. (2023). Orally ingested ubiquinol-10 or ubiquinone-10 reaches the intestinal tract and is absorbed by the small intestine of mice mostly in its original form. Journal of Clinical Biochemistry and Nutrition, 72(2), 101-106. DOI: 10.3164/jcbn.22-91
Mantle, D., & Dybring, A. (2020). Bioavailability of Coenzyme Q10: An Overview of the Absorption Process and Subsequent Metabolism. Antioxidants, 9(5), 386.
Langsjoen PH, et al. Comparison study of plasma coenzyme Q10 levels in healthy subjects supplemented with ubiquinol versus ubiquinone. Eur J Nutr. 2014;53(4):919–928.
López-Lluch G et al. Bioavailability of coenzyme Q10 supplements depends on carrier lipids and solubilization; DOI: 10.1016/j.nut.2018.05.020